Die Welt Zockt

DurchgezocktPS4

Evolve

(R)evolutionäres Shooter-Konzept?

Tobias Krupp Freitag, 20. November 2015 12:00
Als die Turtle Rock Studios vor einigen Jahren ihr neues Projekt namens Evolve vorstellten, war das Interesse der Online-Shooter-Gemeinde schnell geweckt und eine gewisse Erwartungshaltung machte sich breit. Schließlich handelt es sich hier um den Entwickler von Left 4 Dead, welches auch heute noch zur schnellen Zombiejagd lädt.
Seit einigen Monaten ist die Monsterjagd eröffnet und nach einigen Testsessions, voller Lust und Frust, bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen...

Story

Auf dem Planeten Shear überrennen diverse Monster die ansässigen Kolonisten und deren Industriekomplexe und als Teil eines Teams aus Jägern sollt ihr die Bedrohung ausschalten. Das gefällt den äußerst wehrhaften Kreaturen natürlich überhaupt nicht und sie versuchen ihrerseits den unwillkommenen Gästen Einhalt zu gebieten.
evolve_bild_01 Gameplay

Während die Geschichte offenbar zwischen zwei Kaffeepausen geschrieben wurde, hat man für das Gameplay etwas mehr Zeit und Kreativität aufgefahren; aber die richtig innovativen Ideen blieben irgendwie trotzdem aus.
Das interessante Herzstück von Evolve ist der 4 vs. 1 Mix aus Coop- und Multiplayer-Modus. Es gibt vier Jäger welche gegen eines von drei Monstern spielen; welches entweder von einem menschlichen Spieler oder ein KI gesteuert wird. Die vier Klassen sind der Assault, welcher schwere Waffen und Rüstung trägt und für den Hauptschaden verantwortlich ist, der Support, welcher einen Luftschlag auslösen kann und die Gruppe mit diversen Buffs und einem Schildgenerator am Leben hält, der Trapper, welcher das Monster aufspüren, in einer Kuppel fangen und mit Harpunenhaken verlangsamen kann und der Medic, welcher für die Heilung der Gruppe zuständig ist und das Monster betäuben und verwundbarer machen kann.
In jedem Match gibt es pro Klasse nur einen Spieler, welcher automatisch zugewiesen wird. Darauf Einfluss nehmen kann man durch eine Prioritätenliste, auf der alle vier Klassen und das Monster vertreten sind.
Das Monster hat mehrere Aufgaben während einem Match. Es muss Wildtiere jagen und fressen um sich weiterzuentwickeln und Rüstung zu generieren. Sobald man Stufe 2 erreicht hat, können weitere drei Talentpunkte auf vier mögliche Skills verteilt werden. Stufe 3 ist die höchste Entwicklungsstufe.
evolve_bild_02 Die Jäger suchen und töten das Monster. Und da gibt es schon den ersten Knackpunkt. Es wäre schön wenn die Jäger diverse Zusatzaufgaben hätten um sich Boni zu verdienen, denn bis auf Buffs durch die Tötung spezieller Wildtiere haben sie nichts zu tun. Okay, außer aufzupassen das sie nicht vom Planeten und seiner fiesen Pflanzen- und Tierwelt verspeist werden oder den diversen Umwelteinflüssen zum Opfer fallen.
Kurz gesagt: Als Monster ist man dauerhaft beschäftigt und als Jäger rennt man die meiste Zeit nur mehr oder minder kopflos durch die Gegend und sucht sein Ziel, was zu einer nervigen Downtime im Gameplay führt.

Während sich das Monster weiterentwickelt bleiben die Jäger während eines Matches auf der Stelle stehen und schalten Upgrades (z. B. mehr Schaden, höhere Präzision oder geringere CoolDowns) erst nach dem Match frei. Pro Klasse gibt es drei verschiedene Charaktere, welche alle eine festgelegte Ausrüstung benutzen. Diese kann allerdings durch diverse Erfolge oder deren Nutzungsdauer verbessert werden.
evolve_bild_03 Optik

Optisch weiß Evolve definitiv zu gefallen und wartet mit dicht bewachsenen Wäldern, Sumpfgebieten, schroffen Felswänden, Industrieanlagen und Forschungsstationen auf. Die über ein Dutzend Maps sind allerdings oftmals viel zu dunkel geraten, was mitunter auch am Wettersystem liegt und die Abwechslung im Design fehlt, sodass man oftmals gar nicht weiß auf welchem Abschnitt des Planeten man gerade spielt. Charaktere und Monster sind allerdings gut auseinanderzuhalten und haben ihren eigenen Charme, welcher auch durch die Sprachausgabe zur Geltung kommt.

Sound

Je nach Gruppenzusammenstellung sprechen die Charaktere über vergangene Jagden, ihre Herkunft oder einfach alltägliche Dinge; wie ein juckendes Hinterteil. Das lockert die ganze Sache etwas auf und lässt keine todernste Angelegenheit aus dem Spiel werden. Die Musik ist unaufdringlich und der restliche Sound hat richtig schön Druck und ist sehr atmosphärisch. Es ist zum Beispiel möglich das Monster nur durch Geräusche zu orten, was direkt für eine Gänsehaut bei Dinosaurier-Fans sorgt.
evolve_bild_04 Multiplayer

Der Einzelspieler-Modus ist nur bedingt zu gebrauchen, denn die Jäger-Bots sind oftmals ziemlich nutzlos; das KI-Monster zerreißt einen hingegen allerdings oft in der Luft. In einem teambasierten Shooter ist das natürlich eher suboptimal und so wird man sich schnell im Mehrspieler-Modus wiederfinden; was direkt zum nächsten Problem führt bzw. führen kann. Der Erfolg als Jäger ist sehr stark vom Team abhängig und mit fremden Spielern ohne VoiceChat oftmals äußerst mühselig. Obwohl man zu Beginn des Spiels diverse Tutorials aufs Auge gedrückt bekommt und es einige weitere Videos als Erklärung gibt, wissen viele Leute einfach nicht was ihre Aufgabe ist und geben dem Monster damit das Match in die Hand. Da kann Evolve zwar nichts für, aber es wird dadurch schnell frustrierend und raubt einem den Spaß; denn den macht es definitiv.

Umfang

Wirklich umfangreich ist der Titel hingegen nicht. Es gibt vier Jägerklassen mit jeweils drei verschiedenen Charakteren und anderer Ausrüstung, sowie drei Monstertypen (Goliath, Kraken und Wraith). Als Spielmodi werden Hunt, Nest, Rescue und Defend auf 16 verschiedenen Maps angeboten, während der Modus Evacuation eine Playlist darstellt auf der 5 Matches unter verschiedenen Konditionen gespielt werden.
evolve_bild_05 Fazit

Evolve macht, zusammen mit den richtigen Leuten, wirklich Spaß und bietet mitunter spannende Schlachten zwischen Mensch und Bestie, wird aber auch schnell repetitiv. Wenn ihr also nicht plant den Titel intensiv zu spielen oder kein Freund von Onlinemultiplayerspielen seid, dann überlegt euch die Anschaffung genau.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von mir (Tobias Krupp) auf gamescrowd.com veröffentlicht.

ProKontra
  • Mischung aus Coop und PvP
  • neuartiges Spielprinzip (4 vs. 1)
  • fantastische Optik
  • atmosphärischer Sound
  • direkte Steuerung
  • stabile Online-Matches
  • weitgehend gutes Balancing
Zocker Silberzockergold.png
  • steile Lernkurve
  • überschaubarer Umfang und fehlende Abwechslung
  • zu viel "leerer Raum" als Jäger während einem Match
  • Setup und Matchmaking dauern oft zu lange
  • aggressive DLC-Politik
comments powered by Disqus