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Beyond: Two Souls

Tobias Krupp Samstag, 19. Dezember 2015 09:47
Seit etwas mehr als zwei Jahren steht die aktuelle Konsolengeneration in den Läden und wir blicken auf über 8 Jahre voller (exklusiver) Topspiele für die PlayStation 3 zurück. Ob auch Quantic Dream's Beyond: Two Souls einer dieser Titel sein wird, an die wir uns gerne erinnern?

Story

Wie soll man die Geschichte von Beyond: Two Souls erzählen, ohne zu viel zu verraten?
Am besten man beschränkt sich auf wenige Zeilen und bekannte Fakten.

Die Geschichte von Beyond: Two Souls umfasst 15 Jahre aus dem Leben der Jodie Holmes (Ellen Page) und deckt das achte bis dreiundzwanzigste Lebensjahr ab. Jodie lebt in einer Einrichtung des DPA (Department for Paranormal Activities) und wird von Forscher Nathan Dawkins (Willem Dafoe) und seinem Assistenten Cole Freeman (Kadeem Hardison) betreut. Seit ihrer Geburt ist Jodie mit einem übernatürlichen Wesen namens Aiden verbunden und gibt der Wissenschaft einige Rätsel auf. Doch auch das Militär und die CIA sind an Jodie interessiert und wollen sie für ihre Zwecke einsetzen.
Die Geschichte wird kreuz und quer erzählt, ohne dass irgendwie ein tieferer Sinn darin bestünde; außer für zeitweilige Verwirrung zu sorgen oder den (viel zu flachen) Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Vielleicht wurde auch einfach nur versucht die gelegentlichen Logiklöcher geschickt zu verdecken. Ein Mysterium.
Das bedeutend größere Problem ist allerdings, dass man hat nie das Gefühl hat wirklichen Einfluss auf das Geschehen zu haben; wie es bei Heavy Rain der Fall war. Man folgt einem vorgegebenen Pfad, der zwar kreuz und quer durch die Geschichte führt aber am Ende doch eine Linie ergibt, weil die Handlung mit einem Prolog beginnt und einem Epilog enden muss. Insgesamt ist die dargebotene Geschichte nicht schlecht und bietet neben Drama- und Thriller- auch einige gelungene Horrorelemente, aber rückblickend erscheint die ganze Sache einfach nicht rund.

Gameplay

Es war zwar von vorneherein klar das Beyond: Two Souls keine herausforderndes Gameplay beinhalten wird, aber das es am Ende dann so simpel werden würde, hätte ich auch nicht erwartet.

Die hauptsächliche Steuerung besteht aus dem rechten Stick, welcher in Richtung eines kleinen weißen Punktes gelenkt werden muss. Viele Aktionen werden so ausgelöst, Türen geöffnet oder Jodie bewegt. Gerade darauf sollte geachtet werden, denn das Folgen von Bewegungen führt diverse Aktionen aus und ist oftmals schwerer als gedacht, weil die Richtung nicht ersichtlich wird. Mit dem linken Stick geht und läuft Jodie auf streng linear vorgegebenen Pfaden und schüttelt mit dem Kopf oder gibt ihre Gedanken preis, wenn man versucht diese zu verlassen. Grundsätzlich geht die Steuerung gut von der Hand, aber so richtig fordernd ist sie nicht.
In Dialogen besteht oftmals die Möglichkeit Jodie offen, neutral oder ablehnend zu spielen, aber im folgenden spielbaren Abschnitt muss sie sich oftmals gegenteilig verhalten oder bekommt eine komplett andere Reaktion als die zu erwartende. Ein Beispiel: Bei einer Art Tutorial zu Beginn des Spiels hat man die Wahl eine Frau zu verschrecken oder sie in Ruhe zu lassen. Entscheidet man sich dazu Aiden nicht mehr zu steuern und die Frau alleine zu lassen, wird im darauffolgenden Dialog so getan als wenn wir sie weiter verängstigt hätten. Logisch ist das nicht, auch wenn die folgende Videosequenz kommen muss um die Story voranzutreiben.
Überhaupt stellt sich oft die Frage nach der „spielerischen Freiheit“.
Welche Personen mit Aiden übernommen oder getötet werden können ist festgelegt und viele Gegner müssen getötet werden, weil es keinen anderen Lösungsweg gibt. Jodie selbst möchte nicht als übernatürliche Tötungsmaschine eingesetzt werden, was sie auch des Öfteren selbst klarstellt, aber das Gameplay zwingt sie dazu. Auch von der angepriesenen „Entscheidungsfreiheit“ ist kaum etwas zu spüren und erst beim zweiten Durchgang wird klar dass es auch anders geht. Man muss einfach nur nicht das machen was von den aufpoppenden Tasten verlangt wird und sich regelrecht weigern eine Taste zu drücken. Kann das der Sinn eines Videospiels sein?
Mit anderen Worten: Nur absichtlich „falsches“ Spielen ergibt alternative Situationen, da der Titel viel zu leicht ist und diese meistens gar nicht von alleine auftreten können, da jeder halbwegs talentierte Konsolero die Tasten auf dem Controller finden sollte. Es kommt eine so vor als ob Beyond: Two Souls ein „Videospiel mit Totmannschalter“ ist. Ab und zu muss ein Knopf gedrückt werden um zu prüfen ob noch jemand am Controller bzw. wach ist. Selbst bei Actionsequenzen steigt der Puls nicht oder kaum an, weil man immer an die Hand genommen wird.
Wie man die verschiedenen Situationen auch löst, die Story verläuft immer von A nach B. Es mag zwar mehrere Wege geben, allerdings führen diese zum gleichen Ausgang um einen nahtlosen Übergang ins nächste Kapitel zu gewährleisten. Beyond mag zwar Two Souls als Namenszusatz tragen, aber zeitweilen kommt es einem eher seelenlos vor.
beyond_two_souls_bild_01 Optik

In grafischer Hinsicht gibt es weniger zu meckern. Die Charaktere sind nahezu fotorealistisch gelungen, wohingegen die Kulissen oftmals etwas pappig geraten sind und sehr künstlich wirken. Spät ladende Texturen und gelegentliches Ruckeln beim Laden stören die filmische Atmosphäre, genauso wie die schwarzen Balken welche eher einengend wirken, statt Filmatmosphäre zu versprühen. Insgesamt zählt Beyond: Two Souls aber zur oberen Hälfte der optisch beeindruckendsten Titel für PlayStation 3.

Sound

Lobenswert ist, dass die Originalsynchronstimmen von Ellen Page und Willem Dafoe in der deutschen Version enthalten sind und in der englischen Version natürlich von den Schauspielern selbst gesprochen werden. Nicht so lobenswert ist, dass keine englische Sprachausgabe auf der deutschen USK-Version enthalten ist und die Musik oft die Sprachausgabe übertönt. Musikalisch wird durchaus qualitativ Hochwertiges geboten und auch die Soundeffekte sind nicht zu verachten. Audiovisuell will allerdings nie wirklich Atmosphäre aufkommen und das Gesamtpaket plätschert oftmals nur so dahin.

Multiplayer

Beyond: Two Souls ist mit zwei Spielern nutzbar, wobei es verschiedene Möglichkeiten der Steuerung gibt. Entweder mit der kostenlosen App Beyond Touch und einem Controller, zwei Controllern oder zwei Geräten mit der App; welche für Android und iOS kostenlos downloadbar ist.
Gerade mit der App ist der Titel stark vereinfacht zu spielen und auch für Neulinge und Gelegenheitszocker beherrschbar.
beyond_two_souls_bild_02 Umfang

Die Story bietet rund 8 bis 10 Stunden Spielzeit, wobei mehrmaliges Durchspielen empfehlenswert ist, um ein wenig zu experimentieren und die anderen Möglichkeiten zu entdecken; denn es gibt über 20 verschiedene Enden inkl. Variationen.
Der DLC „Erweitertes Experiment“ ist bereits erhältlich und in der Special Edition enthalten. In knappen 30 Minuten kann man dort seine Fähigkeiten im Umgang mit Jodie und Aiden unter Beweis stellen; wobei der Wiederspielwert gen Null geht.

Fazit

Ja, wir werden uns an Beyond: Two Souls erinnern. Die Frage ist nur wie, denn es ist egal wie man diesen Titel bewertet, man tut ihm irgendwie unrecht. Am besten passt da, meiner Meinung nach, folgende Aussage: Beyond: Two Souls ist kein gutes Videospiel, aber ein guter interaktiver Film.
Wer sich also gut unterhalten fühlen möchte, ohne wie wild auf Knöpfen herumhämmern zu müssen, der wird mit Quantic Dream's neuestem Werk seine Freude haben. Actionfreunde hingegen sollten einen großen Bogen um diesen Titel machen oder zu einem günstigeren Preis zuschlagen.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von mir (Tobias Krupp) auf gamescrowd.com veröffentlicht.

ProKontra
  • gute Story...
  • sehr solide Grafik
  • gelungener Sound und filmreifer Soundtrack
  • hoher Wiederspielwert danke diverser Enden
Zocker Silberzockergold.png
  • ... mit Logiklöchern und zu wenig Spannung
  • wenig Gameplay, welches viel zu einfach ist
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