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Until Dawn

Der Schrecken in der Nacht

Georg Lucas Jakob Nisbach Donnerstag, 25. Februar 2016 13:00
In den Bergen von „Until Dawn“ treibt ein maskierter Killer sein Unwesen, der es auf eine Gruppe Teenager abgesehen hat. Vor einem Jahr hatte die Gruppe von Teenagern einen Verlust zu beklagen, in Ehren dessen sind sie wieder hoch in die Berge gewandert und wollen nun ein Trauerbewältigungs-Wochenende in der opulenten Waldhütte Blackwood Pines veranstalten. Geplant ist eine Party nach dem Motto Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Doch alles kommt anders und eh man sich versieht strauchelt man versprengt und gejagt durch finstere Keller, verschneite Wälder, eine verlassene Irrenanstalt oder eine alte Mine.
Until Dawn Logo Ganze zehn Kapitel können wir bestreiten und spielen immer wieder andere Teenager in dieser gnadenlosen Nacht. Für die Entwicklung der Geschichte sind besonders unsere Entscheidungen mit den einzelnen Protagonisten wichtig, doch kommt das Gefühl des wahren "Schmertterling"-Effekts auf? Im Vorfeld wurde, von Sony und Entwickler Supermassive Games, dieser Effekt immer wieder gerne in den Fokus gerückt. Doch im Spiel hatte ich nur selten das Gefühl, dass dieser Effekt damit etwas zu tun hat. Zwar dürfen wir zahlreiche kleine Entscheidungen treffen, doch die großen Konsequenzen, die das große Ganze beeinflussen, suchen wir vergeblich. Was nicht heißen soll, dass unsere Entscheidungen keine Konsequenzen haben! Stattdessen spielen sich Ursache und Wirkung oft nur in einem kleinen Rahmen innerhalb der kurzen Szenen ab. Man merkt aber, dass wir einem sehr eng gestricktem Drehbuch folgen, welches zwar Abzweigungen beinhaltet aber immer wieder auf die Hauptgeschichte zurück kommt. So verlieren die vielen kleinen Entscheidungen ihre große Wirkung, die man teilweise unter Zeitdruck oder dramatischen Umständen treffen muss.
Beim ersten Durchgang können die Entwickler diesen Umstand noch leicht verschleiern, doch vor allem rückblickend und bei einem wiederholten Durchgang, muss man leider feststellen, dass man die Handlung weit weniger beeinflussen kann als es immer gesagt wurde.
Spannend ist es zwar, die Totems, welche die Zukunft voraussagen können, einzusammeln und damit einen kleinen Blick in die Zukunft zu werfen, aber noch immer bleiben wir in unserem engen Drehbuch.
Durch einen echten Schmetterlingseffekt mit kleinen Veränderungen eine riesige Variation an möglichen Handlungssträngen zu realisieren, wäre wirklich Atemberaubend gewesen. Aber Until Dawn funktioniert als interaktiver Horrorfilm nur deshalb und auch nur deshalb so gut, weil man uns zwar durch die Entscheidungen einen gewissen Einfluss auf die Handlung an die Hand gibt, uns aber trotzdem an der Leine hält und durch recht lineares, aber durchaus gutes, Drehbuch quetscht, ohne dass wir diesem auf den ersten Blick auf den Leim gehen.

Until Dawn Screenshot Greifen wir nochmal den Prolog der Geschichte auf, denn da lässt sich das Spiel beim Einstieg erfreulich viel Zeit, um die acht Charaktere und ihre Beziehungen zu einander vorzustellen. Danach spielt man dann mit den typischen Elementen eines jeden Horrorfilms, Point-of-View-Shots aus den Augen des Killers, Jump Scares und so weiter.
Dabei weiß das Spiel sich in Szene zu setzen. Schnell erging es mir so, dass ich jedem Charakter, den ich spielte zutraute der böse hinter der Maske zu sein.
Wer hat ein Motiv? Wer sinnt auf Rache? Was hat er vor? Fragen über Fragen, die mich beschäftigten. Generell überzeugt die Regie durch einen gelungenen Spannungsaufbau, der sich oft in billigen, aber dennoch effektiven Schockmomenten entlädt.

Kennt ihr noch Silent Hill: Shattered Memories, dort hatten wir einen Psychiater, genau wie in Until Dawn. Wir werden zu unseren Ängsten befragt, welche der Überlebenden man am liebsten hat oder verabscheut und vieles mehr. Räumt man z.B. eine Angst vor Ratten ein, wird man den Nagern immer wieder über den Weg laufen. So werden die Frage-, Antwortspielchen in das Spiel integriert.
Enttäuscht war ich aber von der Charakterentwicklung und der Entwicklung der Charaktere zueinander. In einem Statusbildschirm können wir das Verhältnis zueinander einsehen, doch wirklich gemerkt habe ich davon nichts. Ein Beispiel: Schießt man am Anfang aus reiner Bosheit ein Eichhörnchen brutal über den Haufen, regt sich Tierfreundin Sam zwar zuerst über dieses Verhalten auf, macht aber schon weniger Sekunden wieder auf gute Freundin, als ob nichts passiert wäre.  


Fazit:
Until Dawn hat mich wirklich gut unterhalten. Das Drehbuch punktet mit gelungenen Spannungs- und Schockmomenten, guter Soundkulisse und einer stimmigen Atmosphäre. Dafür sind die spielerischen Elemente eher rudimentär, werden dafür aber von einer soliden Steuerung getragen. Rund um hat mir Until Dawn Spaß gemacht, auch wenn es durchaus Defizite vorweist!

Until Dawn Screenshots

Es sind 12 Bilder in der Galerie.
ProKontra
  • Tolle Grafik
  • Wunderbarer Sound
  • Motivierendes Entscheidungs-Feature
  • Viele Entscheidungen
Zocker Silberzockergold.png
  • Zäher Start
  • Fehlende Spannung
  • Schmetterlingseffekt - Fehlanzeige
  • Enges Drehbuch
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